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Holi - Das indische Farbenfest

Reisebericht zur Holifeier von Krishna Premarupa das

 

Indien ist ein Land der Farben! Seien es farbige Häuser, bunte Götteraltare, Gemüsemärkte oder wunderschöne Kleider wie die traditionellen Saris der Frauen; überall trifft man auf eine beeindruckende Farbenvielfalt. Doch noch viel bunter wird es an Holi!

 

Holi ist ein sehr altes traditionelles Frühlingsfest, bei welchem sich die Menschen gegenseitig mit Farben bewerfen. Die Faszination für dieses Fest hat in den letzten Jahren auch den Westen erfasst. Zeitschriften berichten von dem farbenfrohen Treiben und  Werbefachleute führender Mobiltelefonkonzerne liessen sich von Holi-Farbwolken inspirieren. Auch Eventmanager haben eine neue Einnahmequelle entdeckt: Das grosse Farbenfest Indiens gibt es jetzt auch in allen grossen Städten Deutschlands. Jedoch ohne jeden religiösen Hintergrund, wie auf der entsprechenden Webpage betont wird! 

 

Aber um was geht es da eigentlich? Weshalb bewirft man sich gegenseitig mit Farben? Was ist die tiefere Bedeutung? Während meines letzten Indienaufenthalts ging ich diesen Fragen nach..

 

Farbenfroher Gottesdienst 

 

In vergangenen Jahren hatte ich mich jeweils im Hotelzimmer zurückgezogen und abgewartet, bis die Strassen wieder `sicher` bezw. `farbenfrei` waren. Es war also nicht das erst Mal, dass ich mich während des Holis in Vrindavana, dem Geburtsort Sri Krishnas, aufhielt. Aber es war das erste Mal, dass ich mich so richtig darauf einliess! Holi erlebe man in Vrindavana vor allem im Bhanki Bihari Tempel, wurde uns gesagt. Bereits in den engen Gassen, die zum Tempel führen, war richtig was los, Hunderte von Menschen drängten sich aneinander vorbei. Viele der kleinen Läden boten hier Farbpulver an, welche in den unterschiedlichsten Tönen wie pink, gelb, rot, blau und grün erhältlich waren. Je näher wir zum Tempeleingang kamen, desto bunter wurden die Menschen um uns herum! Es war deutlich erkennbar, wer schon im Tempel drin war und wer nicht! Grüne Haare, gelbe Hemden, rosa Gesichter; Holi hai - es ist Holi! Selbst die Polizisten vor dem Tempel sahen lustig aus mit den Farbstreifen auf ihren lachenden Wangen. Als uns beim Eingang die ersten Farbwolken entgegenkamen und wir die grosse Wasserpistole des Priesters sahen, kehrten wir schnell um. Lasst uns auch etwas Farbe besorgen, dachten wir; schliesslich wollen wir da nicht `unbewaffnet` reingehen! Kurz darauf, mit einigen Farbsäcken in der Tasche, wagten wir uns hinein... 

 

Ich traute meinen Augen nicht, konnte kaum glauben was ich da sah: hier ging es echt wild zu und her! Da kam niemand raus, ohne eingefärbt zu werden! Und das mitten im Tempelraum! Die Menschenmenge drängte sich wie an einem Rockkonzert noch vorne zur Bühne, bezw. zum Altar wo die wunderschöne Form Krishnas als Bhanki Bhihari verehrt wird. Krishna ist hier wohl der Einzige, der `verschont bleibt`, dachte ich schmunzelnd, denn die Bildgestalt Gottes stand unter einer grossen Plastikhaube! Als ich vor dem Altar stand, um Krishna eine Blumengirlande zu überreichen, kriegte ich als Dank eine gute Ladung Farbwasser ins Gesicht gespritzt. Die Priester, mit riesigen Wasserpistolen ausgestattet, hatten sichtlich Spass an ihrer Aufgabe! Doch das war noch nicht alles - richtig los ging es, als sie ihre Wasserpistolen auf die Seite legten und sich Milchkannen griffen, um Farbwasser über die Menge zu schütten und im Anschluss gleich kiloweise Reissäcke voller Farbe in die Menge warfen. Für eine Weile sah man nichts anderes mehr als ein riesiges Wolkenmeer von Farben!

 

Eine gute Stunde später verliessen wir den Tempel wieder, von Kopf bis Fuss voller Farbe. 

Die Einheimischen in den Gassen freuten sich über unser Aussehen. `Happy Holi` riefen sie uns mit lachenden Gesichtern zu. Für uns ging es aber weiter, wir hatten noch eine Einladung zum Holifest bei Radharaman, einen benachbarten Tempel. Dort schien alles etwas kultivierter abzulaufen. Einige Geweihte Krishnas sangen Holi Bhajans (Lieder welche das Farbenfest beschrieben) und andere tanzten elegant dazu. Radharaman (die zu verehrenden Bildgestalt), welcher vor einem Vorhang aus Blumengirlanden stand, wurde mit viel Hingabe und Ehrfurcht eine Arati dargebracht. 

 

Danach begann auch hier das bunte Treiben. Die Priester beschmierten erst die dunklen Wangen und das Kinn der kleinen Figur mit rosa Farben und warfen im Anschluss das erste Pulver als Maha-Prasadam (gesegnete Farbe) auf die Besucher. Die Rhythmen der Tablas wurden stärker, die Stimmen lauter und die Tänze ekstatischer. Plötzlich waren auch wir mittendrin, eingehüllt in pinke und gelbe Farbwolken, tanzend zu den Krishna gewidmeten Klängen... 

 

Was hat das noch mit Religion zu tun? 

 

„Mein Gott! Wie sieht ihr denn aus!“ rief ein im Hotel zurückgebliebenes Mitglied unserer Reisegruppe bei unserer Rückkehr. Entsetzt schüttelte er den Kopf, „Aber nein! Was hat denn das bitte schön mit Spiritualität oder Religion zu tun..?!“ Das erzähle ich dir morgen beim Frühstück, sagte ich ihm lachend und begab mich auf mein Zimmer. Ich brauchte erst mal eine gute Seife und warmes Wasser..! 

 

Wie versprochen erklärte ich meinem Freund am nächsten Morgen, bei einer Tasse Chai (Gewürztee) und einem Masala dosa (Reislinsenfladen mit Kartoffel gefüllt), was man denn unter diesem farbigen Fest eigentlich verstehe.

 

Es ist schon so, dass dieses Fest heutzutage immer verrückter wird. Hier in Vrindavana zB kommen viele junge Leute aus Delhi, die sich betrinken und jegliche Grenzen überschreiten. Daher ist es am besten, man erlebt das Fest in einer spirituellen Atmosphäre, zum Beispiel im Tempel. Obschon es auch dort sehr bunt wird, sind sich die meisten Teilnehmer noch der tieferen Bedeutung bewusst.

 

Die tiefere Bedeutung des Holifestes

 

Das Holi-Fest beginnt in der Regel elf Tage vor dem Vollmond (Ekadasi) des Monats Phalgun, was unserem Februar/März entspricht, und endet am nächsten Vollmondtag (Purnima). Grundsätzlich kann man Holi als ein buntes Frühlingsfest bezeichnen, welches

in ganz Indien gefeiert wird, aber überall etwas andere Formen annimmt. 

 

In Nordindien, speziell in Vrindavana, wird an Holi entweder mit gefärbtem Wasser gespritzt oder mit Farbpulver um sich geworfen. Nicht nur in der Familie und unter Freunden wird gefeiert, auch auf der Strasse werden Passanten mit farbigem Wasser bespritzt. Dabei erinnern sich die Menschen an die transzendentalen Spiele des göttlichen Paares Radha und Krishna. In den heiligen Schriften wird beschrieben, wie dieses Fest seinen Ursprung in der ewigen spirituellen Welt hat, wo sich Krishna und seine Kuhhirtenmädchen gegenseitig mit Farbe bespritzen: Vrindadevi und ihre Assistentinnen, die Vanadevis, schmücken die Gopis, um sie für das grosse Frühlingsfest vorzubereiten. Kinnari Göttin Matanga erscheint und spielt auf ihrer Vina bezaubernde Frühlings-Ragas, während die Wunschbäume Vrindavans die Gopis mit den nötigen Farbwaffen ausstatten. Dazu gehören Blumenbälle mit rotem, wohlriechendem Farbpulver, Blumenbögen und Pfeile sowie `pichkaris`, mit Juwelen besetze Wasserpistolen. Radharani und die Gopis halten sich zu Beginn noch zurück, dies ändert sich aber, wenn Madhumangal sie neckt. „Hey! Wieso pflückt ihr ohne Erlaubnis Madhavi-Blumen in diesem Wald? Und zudem müsst ihr verrückt sein! Weshalb verehrt ihr Kandarpa (Liebesgott)? Der wahre Gott der Liebe ist doch Hari, Krishna! Lasst mich euch helfen, ich biete mich euch als Priester an und führe eure Madhana Puja aus!“ Radharani ruft zu Lalita: „Dieser erfahrene Brahmana hat ohne Zweifel unseren Respekt verdient, lass uns diesen Priester entsprechend verehren..!“ Mit diesen Worten packen die Gopis den kleinen Brahmana-Jungen und bewerfen ihn von Kopf bis Fuss mit roter Farbe. Madhumangel ruft um Hilfe: „Krishna! Berauscht von der Freude des Holifestes, sind diese Gopis verrückt geworden! Schnell, rette mich, bevor diese Mädchen noch die Sünde des Tötens eines Brahmanas auf sich laden!“ Darauf eilt Krishna zu Hilfe und `bestraft` die Übeltäter, indem er sie mit Farbpulver gefüllten Blumenbällen bewirft. Und somit beginnt eine lange, intensive Farbenschlacht zwischen den Gopis und den Gopas, zwischen Radha und Krishna...

 

Diese transzendentalen Streitigkeiten zwischen den Gopis und Krishna werden auch in Varasana, Radharanis Geburtsort, nachempfunden. In spielerischer Weise `schlagen`dort die Frauen mit Stöcken auf die Männer des Dorfes ein, was bedeutet, dass Radharani aus dem Liebeskampf mit Krishna immer siegreich hervorgeht. 

 

Holi auch das Fest des Feuers

 

Rote und gelben Farbwolken können auch an das Feuer erinnern, welches die Hexe Holika verbrannte. Im Bhagavat Purana wird im Zusammenhang des Nrsimha Avatars (der Halbmensch-Halblöwe-Inkarnation Vishnus) vom göttlichen junge Praladha und seinem dämonischen Vater Hiranyakasipu berichtet. Hiranyakasipu der Dämonenfürst, versuchte mehrfach, seinen eigene Sohn zu töten, der als Schandfleck in der Familie galt, weil er ein Geweihter seines Erzfeind Vishnus war und ständig von Liebe und Hingabe sprach. Alle Mordversuche blieben jedoch erfolglos. Deshalb bat Hiranyakasipu seine Schwester Holika, welche die Segnung hatte, von keinem Feuer verletzt zu werden, einzugreifen. So nahm Holika den kleinen Praladha auf ihren Schoss und setzt sich auf einen brennenden Scheiterhaufen. Doch durch göttliche Fügung blieb der Junge unversehrt und die Hexe fand ihren Tod. `rakhe krishna mare ke, mare Krishna rakhe ke`  Wenn Krishna jemanden beschützt, wer kann ihn töten? Wenn Krishna jemanden töten möchte, wer kann ihn beschützen? Diese Geschichte wird während Holi oft als Theaterstück aufgeführt und grosse Feuer werden entzündet, um sich daran zu erinnern, dass die gottesbewussten Mensch stets unter dem Schutz des Herrn stehen, während Gott abgewandte Lebewesen dem Untergang geweiht sind. 

 

Somit steht Holi also nicht nur für ein fröhliches Frühlingsfest sondern auch für den Sieg des Guten über das Böse. Holi bedeutet auch „Opfer“, was soviel bedeutet, das wir durch das Feuer der Hingabe alle Unreinheiten des Geistes wie Egoismus, Eitelkeit, Gier verbrennen sollen.

 

Der soziale Aspekt von Holi ist das Zusammenbringen von groß und klein, reich und arm. An diesem Tag werden keine Unterschiede gemacht; auch der Beamte kriegt etwas Farbe ab und jeder umarmt jeden herzlich mit den Worten `Happy Holi` ganz egal aus welchem sozialen Hintergrund jemand kommen mag. Es ist ein sehr fröhliches Fest, man freut sich über das Ende des Winters, über den Beginn des Frühlings, man lässt die Sorgen des vergangen Jahres hinter sich und freut sich des Lebens, wo Liebe, Mitgefühl und Gleichheit mit Allen im Zentrum stehen. Dies sind einige der tieferen Bedeutungen des Holifestes. 

 

Die Erinnerung an das bunte Fest bleiben noch lange sichtbar, besonders hartnäckig scheint das Pulver in den Ohren zu stecken und meine Fussohlen und Zehennägel sind zwei Wochen später immer noch pink! Holi hai - es ist Holi!  

 

 

Qullen:  Srila Kavi-Karnapurnas `Ananda Vrindavana Campu` 

Srimad Bhagavatam,  Wipikedia  /  Bilder:  Krishna Premarupa & Google-Bilder

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Japa Mala uvaca

Wenn meine Gebetskette sprechen könnte! 

 

Was heisst hier `könnte?`! Natürlich spreche ich! Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Japa Mala Dasa ich bin eine Gaudiya Vaishnava Gebetskette.

 

Göttliche Herkunft

 

Ich bin aus gutem Holz geschnitzt, stamme von der Familie des heiligen Tulasistrauch ab. Meine Vorväter erzählten, dass unser Ursprung die Tulasipflanze, eine Inkarnation der Göttin Tulasi devi aus dem ewigen spirituellen Reich sei. Sie ist eine ewige Gefährtin Sri Krishnas, Ihm sehr lieb und ist in diese Welt gekommen, um jene mit Liebe zu Gott zu segnen, die ihr mit Hingabe dienen. Die Herrlichkeiten von Tulasi Devi werden im Bhakti Rasamrita Sindhu sehr schön beschrieben, wo Srila Rupa Goswami das Skanda Purana zitiert: " Tulasi ist in jeder Hinsicht Glücksverheissend! Allein dadurch, dass man sie sieht, sie berührt, sich an sie erinnert, zu ihr betet, sich vor ihr verneigt, über sie hört oder einen Tulasistrauch pflanzt, ist man immer mit Glück gesegnet. Jeder, der auf die oben erwähnte Art mit dem Tulasistrauch in Berührung kommt, lebt ewig in der Vaikuntha-Welt!“ 

 

Auch mein Heimatort Sri Radha Kunda in Vrindavana, Indien, ist äusserst erhaben.

Radha Kunda ist der heiligste aller heiligen Orte. Hier deutet alles auf die vertraulichen Spiele Radha und Krishnas hin und reine Liebe zu Gott durchdringt die Atmosphäre.

Jene, die an diesem Kunda hingebungsvollen Dienst darbringen, müssen als die am meisten vom Glück begünstigten Seelen in diesem Universum betrachtet werden und wer nur ein Bad in diesem heiligen Gewässer nimmt, dessen reine Gottesliebe wird sich entfalten! (Upadesamrita) 

 

Mission im Westen

 

Das Schicksal wollte es aber, dass ich diesen heiligen Ort schon bald verlassen musste. Kurz nach dem all meine 108 Perlen auf einer Schnur aufgezogen waren und ich für einige Tage auf den Parikrama Weg schauen durfte, wurde ich von einem ISKCON Devotee aus dem Westen erworben. "Ach wie schrecklich, in den Westen!" meinten einige meiner Mit-Malas damals. 

 

Doch ich merkte bald, dass dies eigentlich mein grosses Glück war, denn so wurde ich erst einmal nach Manipur, einem Staat mit unglaublich viel Vaishnava-Tradition gebracht. Dort kam ich in Kontakt mit einer grossen Seele in der Nachfolge Sri Caitanya Mahaprabhus und wurde Teil dieser glorreichen Mission. Nachdem dieser Sadhu meine Perlen mit seinen Fingern berührt und den heiligen Namen rezitiert hatte, wurde mir auf mystische Art und Weise göttliche Kraft eingehaucht und ich war nicht mehr die gleiche wie davor.

 

Heute bin im Besitz seines Schülers und lebe in der Schweiz. Ich wurde ihm damals sehr feierlich überreicht, es war ein sehr bedeutender Moment. Mit den Worten: Von nun an ist dein Name `Krishna Premarupa dasa`, wurde ich in seine Hände gelegt. Seither rezitiert er täglich 1728 Namen Gottes und zählt diese durch meine Hilfe.

 

Das Dharma einer Mala

 

Ja ich bin gerne eine Mala. Wir Malas sind fester Bestandteil der Gaudiya Vaishnava Tradition und leisten einen wichtigen Dienst. 

 

Dass die Anzahl der rezitierten Mantras gezählt werden soll, mit oder auch ohne Mala, hatte schon Sri Caitanya Mahaprabhu betont. Srila Prabhupada bestätigt dies mit den Worten: " Caitanya Mahaprabhu pflegte (während seinen Reisen als Sannyasi) auf seinen Fingern zu zählen. Während er mit einer Hand chantete, zählte er mit der anderen Hand die Runden.(...)Daher ist es für jeden Gottgeweihten unbedingt notwendig, jeden Tag eine bestimmte Anzahl Heiliger Namen zu chanten. - Erläuterung zu Caitanya Caritamrita Madhya Lila 7.37.

 

Wer mit der Mala chantet, hat den Vorteil, dass auch sein Tastsinn in der Mantra- Meditation miteinbezogen ist, was für die Konzentrationsfähigkeit sehr förderlich ist. 

 

Selbst Sri Krishna besitzt eine Japa Mala! Nach dem er die 900`000 Kühe Nanda Babas durch sein Flötenspiel zu sich ruft, stützt Er seinen Arm auf die Schultern eines Freundes und zählt glücklich die Kühe aller 108 Herden auf seiner Juwelen-Perlenkette.

 

Ich und mein Besitzer

 

Ob ich glücklich bin mit meinem Besitzer? Naja, ich kann mich erinnern als er Tempelpräsident wurde, da freute ich mich für ihn und war auch etwas stolz, jetzt die persönliche Japa Mala des Präsidenten zu sein. Später merkte ich aber, dass sein neues Amt unserer Beziehung eher schadete. Als Manager vernachlässigte er mich oft, andere Gegenstände in seiner täglichen Arbeit sind im wichtiger geworden, wie dieses weisse Dinge, wie heisst es nochmal `Mac Buch`? Ständig tippt er mit seinen Finger auf dieser Tastatur rum, anstatt meine Perlen zu berühren.

 

Zusätzlich ist er ja auch Priester was dazu führt, dass er während der Brahma Muhurta, den frühen Morgenstunden, Krishna oft nicht in Form seiner Namen sondern in Form der Bildgestallt verehrt. Während alle andern Malas für zwei Stunden den heiligen Namen kosten, häng ich irgendwo am Haken in meinem Beadbag und warte auf bessere Zeiten!

 

Vorteilhaft ist aber, dass er ein Brahmacari ist, so kann ich im Ashrama leben. Ok, etwas eine langweilige Garderobe, immer diese gleichen orangen Beutel. Da werde ich manchmal schon etwas neidisch wenn ich die anderen Malas in den bunten Beatbags sehe mit all den edlen Stickereien und hübschen Rundenzählperlen. Aber dafür werde ich nicht jeden Tag im Bus und Zug rumgeschleppt wie einige meiner Kollegen, die bei Haushältern leben.

 

Über seinen Umgang mit mir

 

Wie er mit mir umgeht? Ob er mich und unseren gemeinsamen Dienst, das Chanten der Namen Gottes, wertschätzt? Grundsätzlich schon, er ist ja ein aufrichtiger Gottgeweihter und weiss, dass die Praxis des Chanten wie ein Barometer des spirituellen Lebens ist. Die Art und Weise wie jemand Mantra rezitiert, widerspiegelt seine Beziehung zu Gott. Er weiss, dass wenn er in seinem spirituellen Leben tiefer gehen will, er mehr Zeit mit mir und dem Vorgang des Chantens verbringen muss. 

 

Aber ja, in der Praxis sieht das leider oft noch etwas anders aus...

 

Am Morgen früh, wenn er mal nicht auf dem Altar ist und sich mit mir hinsetzt und zu meditieren beginnt, scheint er nicht so richtig bei der Sache zu sein. Entweder gleitet er mit seinen Fingern viel zu schnell über meine Perlen, weil seine Gedanken überall verstreut sind oder manchmal lässt er mich mittendrin fallen weil er vor lauter Müdigkeit eingenickt ist. 

 

Schon verrückt, da erlangt jemand einen Spirituellen Meister, der einem den Heiligen Namen Gottes übergibt, und dann erst noch zusammen mit einer so qualifizierten Mala wie ich eine bin, und trotzdem wird unaufmerksam gechantet. Das Sanskrit Wort für `Unaufmerksamkeit` heisst dann interessanter Weise auch `pramada`, was soviel wie `Verrücktheit` bedeutet! Denn ist es nicht schizophren, einerseits Krishna zu bitten Er möge erscheinen, Ihn dann aber einfach zu ignorieren und sogar dabei einzuschlafen?!

 

Tagsüber ist zwar der Einfluss von Tamaguna (Unwissenheit) überwunden, dafür wird die Meditation durch Leidenschaft geprägt. So geschieht es manchmal, dass er wie ein unruhiger Tiger im Käfig rauf und runter spaziert, will die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen, da er ja noch soviel viel wichtigere Dinge zu erledigen hat. Und wenn dann die letzte Runde geschafft ist, wirft er mich sichtlich erlöst an einen Haken und will mit mir an diesem Tag nichts mehr zu tun haben!

 

Das schlimmste aber ist, wenn er fremd geht! Ja, dann lässt er mich einfach liegen und bedient sich dieses komischen `Klickers`. Vor einiger Zeit hatte er sogar ein digitale Version davon nach Hause gebracht, schrecklich!  Aber ja, kommt immer seltener vor, ich glaube sogar, er hat mittlerweilen ganz davon abgelassen.

 

Hoffnung

 

Zum Glück ist das aber nur eine Seite der Medaille! Denn wie angesprochen, weiss er eigentlich um die Wichtigkeit des aufmerksamen Chantens und meine wichtige Rolle dabei. 

 

Erst gestern zB hat er mich aus dem Beutel gezogen und ganz stolz einer Schulklasse gezeigt und erläutert wie er täglich zwei Stunden mit mir verbringt. Die Schüler waren höchst beeindruckt und bestaunten mich alle, das war ein tolles Gefühl.

 

Wirklich richtig zufrieden bin ich vor allem während unseren Indienreisen, dann ist er wie ein anderer Mensch, viel gelassener, ausgeglichener und plötzlich sehr an mir interessiert. Ständig trägt er mich bei sich und immer wieder lassen wir uns an ganz speziellen Orten nieder einfach nur um zu chanten, wie zum Beispiel am Ufer der Ganges in Risikesha, im Prabhupada Samadhi in Mayapur oder am Radha Kunda in Vrindavan. Ja, an diesen Orten, während diesen speziellen Momenten, scheint es so, dass ich die Vollkommenheit meines Daseins erfahren kann. 

 

Ähnlich verhält es sich, wenn er mich einmal pro Jahr in die Schweizer Berge zum Japa Retreat mitnimmt. Dann chantet er und chantet, stundenlang und will mich gar nicht mehr zur Seite legen. 

 

Und in der Tat habe ich in letzter Zeit bemerkt, dass er sich mehr und mehr um eine tiefere Beziehung mit mir und dem heiligen Namen bemüht.Es scheint, dass die jährlichen Japa Retreats und Indenreisen langsam ihre Früchte tragen.  

 

Um was es schliesslich wirklich geht, ist einen tiefen Wunsch zu entwickeln, den Wunsch Krishna durch das Chanten seiner Heiligen Namen zu dienen, Ihn damit zu erfreuen und Ihm schliesslich im Heiligen Namen zu begegnen. Diese `laulyam`(Begierde) muss im Herzen erwachen. Wie Srila Prabhupada das so schön beschreibt: man sollte lernen nach dem Herrn zu weinen. Man sollte diese kleine `Technik` erlernen, man sollte sehr begierig sein und tatsächlich weinen, um in einer bestimmten Art von Dienst beschäftigt zu werden. (Bedeutung des Mahamantra: `O Radha, O Krishna, bitte beschäftigt mich in Eurem hingebungsvollen Dienst!`) Diese Begierde nennt man `laulyam` und solche Tränen sind der Preis für die höchste Vollkommenheit!

 

Dieser Geschmack, diese Begierde kommt durch chanten. Einmal fragten Devotees, wie sie ihren Wunsch zu chanten vergrössern könnten. Srila Prabhupada antwortete: "Durch Sankirtana! das gemeinsame Chanten! Es ist wie bei einem Mann der trinkt und trinkt und trinkt und dadurch schliesslich zum gewohnheitsmäßigem Trinker wird. Trink mehr und mehr und du wirst zum Trinker! Chante in gleicher Weise mehr und mehr und du wirst ein vollkommener Chanter!"

 

In diesem Sinn hoffe ich, dass mein lieber Besitzer mich in Zukunft mehr und mehr durch seine Hände gleiten lässt mit den heiligen Namen auf der Zunge und Tränen der Liebe in den Augen. Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare. Naja, wird wohl noch eine Weile dauern, bis es dieses Ausmass annimmt, aber Hoffnung ist da!

 

Schlusswort:

 

`Die Sprache der Dinge` wird einen Schreibübung genant, welche mich zum schreiben dieses Textes inspiriert hat: `Biografisches Schreiben kann humorvoll und selbstironisch sein, wenn wir uns von aussen Betrachten und einen ungewöhnlichen Blickwinkel einnehmen. Wähle einen Gegenstand der dich täglich begleitet, der deine Vorlieben und Macken kennt. Lass ihn aus seiner Sicht erzählen wie er dich erlebt!`

 

Solch eine Betrachtung kann sehr interessant für die eigene Selbstreflektion sein! 

Du kannst dich selber ja auch mal fragen: Was würde meine Japa Mala so erzählen wenn sie sprechen könnte?! 

 

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