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Japa Mala uvaca

Wenn meine Gebetskette sprechen könnte! 

 

Was heisst hier `könnte?`! Natürlich spreche ich! Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Japa Mala Dasa ich bin eine Gaudiya Vaishnava Gebetskette.

 

Göttliche Herkunft

 

Ich bin aus gutem Holz geschnitzt, stamme von der Familie des heiligen Tulasistrauch ab. Meine Vorväter erzählten, dass unser Ursprung die Tulasipflanze, eine Inkarnation der Göttin Tulasi devi aus dem ewigen spirituellen Reich sei. Sie ist eine ewige Gefährtin Sri Krishnas, Ihm sehr lieb und ist in diese Welt gekommen, um jene mit Liebe zu Gott zu segnen, die ihr mit Hingabe dienen. Die Herrlichkeiten von Tulasi Devi werden im Bhakti Rasamrita Sindhu sehr schön beschrieben, wo Srila Rupa Goswami das Skanda Purana zitiert: " Tulasi ist in jeder Hinsicht Glücksverheissend! Allein dadurch, dass man sie sieht, sie berührt, sich an sie erinnert, zu ihr betet, sich vor ihr verneigt, über sie hört oder einen Tulasistrauch pflanzt, ist man immer mit Glück gesegnet. Jeder, der auf die oben erwähnte Art mit dem Tulasistrauch in Berührung kommt, lebt ewig in der Vaikuntha-Welt!“ 

 

Auch mein Heimatort Sri Radha Kunda in Vrindavana, Indien, ist äusserst erhaben.

Radha Kunda ist der heiligste aller heiligen Orte. Hier deutet alles auf die vertraulichen Spiele Radha und Krishnas hin und reine Liebe zu Gott durchdringt die Atmosphäre.

Jene, die an diesem Kunda hingebungsvollen Dienst darbringen, müssen als die am meisten vom Glück begünstigten Seelen in diesem Universum betrachtet werden und wer nur ein Bad in diesem heiligen Gewässer nimmt, dessen reine Gottesliebe wird sich entfalten! (Upadesamrita) 

 

Mission im Westen

 

Das Schicksal wollte es aber, dass ich diesen heiligen Ort schon bald verlassen musste. Kurz nach dem all meine 108 Perlen auf einer Schnur aufgezogen waren und ich für einige Tage auf den Parikrama Weg schauen durfte, wurde ich von einem ISKCON Devotee aus dem Westen erworben. "Ach wie schrecklich, in den Westen!" meinten einige meiner Mit-Malas damals. 

 

Doch ich merkte bald, dass dies eigentlich mein grosses Glück war, denn so wurde ich erst einmal nach Manipur, einem Staat mit unglaublich viel Vaishnava-Tradition gebracht. Dort kam ich in Kontakt mit einer grossen Seele in der Nachfolge Sri Caitanya Mahaprabhus und wurde Teil dieser glorreichen Mission. Nachdem dieser Sadhu meine Perlen mit seinen Fingern berührt und den heiligen Namen rezitiert hatte, wurde mir auf mystische Art und Weise göttliche Kraft eingehaucht und ich war nicht mehr die gleiche wie davor.

 

Heute bin im Besitz seines Schülers und lebe in der Schweiz. Ich wurde ihm damals sehr feierlich überreicht, es war ein sehr bedeutender Moment. Mit den Worten: Von nun an ist dein Name `Krishna Premarupa dasa`, wurde ich in seine Hände gelegt. Seither rezitiert er täglich 1728 Namen Gottes und zählt diese durch meine Hilfe.

 

Das Dharma einer Mala

 

Ja ich bin gerne eine Mala. Wir Malas sind fester Bestandteil der Gaudiya Vaishnava Tradition und leisten einen wichtigen Dienst. 

 

Dass die Anzahl der rezitierten Mantras gezählt werden soll, mit oder auch ohne Mala, hatte schon Sri Caitanya Mahaprabhu betont. Srila Prabhupada bestätigt dies mit den Worten: " Caitanya Mahaprabhu pflegte (während seinen Reisen als Sannyasi) auf seinen Fingern zu zählen. Während er mit einer Hand chantete, zählte er mit der anderen Hand die Runden.(...)Daher ist es für jeden Gottgeweihten unbedingt notwendig, jeden Tag eine bestimmte Anzahl Heiliger Namen zu chanten. - Erläuterung zu Caitanya Caritamrita Madhya Lila 7.37.

 

Wer mit der Mala chantet, hat den Vorteil, dass auch sein Tastsinn in der Mantra- Meditation miteinbezogen ist, was für die Konzentrationsfähigkeit sehr förderlich ist. 

 

Selbst Sri Krishna besitzt eine Japa Mala! Nach dem er die 900`000 Kühe Nanda Babas durch sein Flötenspiel zu sich ruft, stützt Er seinen Arm auf die Schultern eines Freundes und zählt glücklich die Kühe aller 108 Herden auf seiner Juwelen-Perlenkette.

 

Ich und mein Besitzer

 

Ob ich glücklich bin mit meinem Besitzer? Naja, ich kann mich erinnern als er Tempelpräsident wurde, da freute ich mich für ihn und war auch etwas stolz, jetzt die persönliche Japa Mala des Präsidenten zu sein. Später merkte ich aber, dass sein neues Amt unserer Beziehung eher schadete. Als Manager vernachlässigte er mich oft, andere Gegenstände in seiner täglichen Arbeit sind im wichtiger geworden, wie dieses weisse Dinge, wie heisst es nochmal `Mac Buch`? Ständig tippt er mit seinen Finger auf dieser Tastatur rum, anstatt meine Perlen zu berühren.

 

Zusätzlich ist er ja auch Priester was dazu führt, dass er während der Brahma Muhurta, den frühen Morgenstunden, Krishna oft nicht in Form seiner Namen sondern in Form der Bildgestallt verehrt. Während alle andern Malas für zwei Stunden den heiligen Namen kosten, häng ich irgendwo am Haken in meinem Beadbag und warte auf bessere Zeiten!

 

Vorteilhaft ist aber, dass er ein Brahmacari ist, so kann ich im Ashrama leben. Ok, etwas eine langweilige Garderobe, immer diese gleichen orangen Beutel. Da werde ich manchmal schon etwas neidisch wenn ich die anderen Malas in den bunten Beatbags sehe mit all den edlen Stickereien und hübschen Rundenzählperlen. Aber dafür werde ich nicht jeden Tag im Bus und Zug rumgeschleppt wie einige meiner Kollegen, die bei Haushältern leben.

 

Über seinen Umgang mit mir

 

Wie er mit mir umgeht? Ob er mich und unseren gemeinsamen Dienst, das Chanten der Namen Gottes, wertschätzt? Grundsätzlich schon, er ist ja ein aufrichtiger Gottgeweihter und weiss, dass die Praxis des Chanten wie ein Barometer des spirituellen Lebens ist. Die Art und Weise wie jemand Mantra rezitiert, widerspiegelt seine Beziehung zu Gott. Er weiss, dass wenn er in seinem spirituellen Leben tiefer gehen will, er mehr Zeit mit mir und dem Vorgang des Chantens verbringen muss. 

 

Aber ja, in der Praxis sieht das leider oft noch etwas anders aus...

 

Am Morgen früh, wenn er mal nicht auf dem Altar ist und sich mit mir hinsetzt und zu meditieren beginnt, scheint er nicht so richtig bei der Sache zu sein. Entweder gleitet er mit seinen Fingern viel zu schnell über meine Perlen, weil seine Gedanken überall verstreut sind oder manchmal lässt er mich mittendrin fallen weil er vor lauter Müdigkeit eingenickt ist. 

 

Schon verrückt, da erlangt jemand einen Spirituellen Meister, der einem den Heiligen Namen Gottes übergibt, und dann erst noch zusammen mit einer so qualifizierten Mala wie ich eine bin, und trotzdem wird unaufmerksam gechantet. Das Sanskrit Wort für `Unaufmerksamkeit` heisst dann interessanter Weise auch `pramada`, was soviel wie `Verrücktheit` bedeutet! Denn ist es nicht schizophren, einerseits Krishna zu bitten Er möge erscheinen, Ihn dann aber einfach zu ignorieren und sogar dabei einzuschlafen?!

 

Tagsüber ist zwar der Einfluss von Tamaguna (Unwissenheit) überwunden, dafür wird die Meditation durch Leidenschaft geprägt. So geschieht es manchmal, dass er wie ein unruhiger Tiger im Käfig rauf und runter spaziert, will die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen, da er ja noch soviel viel wichtigere Dinge zu erledigen hat. Und wenn dann die letzte Runde geschafft ist, wirft er mich sichtlich erlöst an einen Haken und will mit mir an diesem Tag nichts mehr zu tun haben!

 

Das schlimmste aber ist, wenn er fremd geht! Ja, dann lässt er mich einfach liegen und bedient sich dieses komischen `Klickers`. Vor einiger Zeit hatte er sogar ein digitale Version davon nach Hause gebracht, schrecklich!  Aber ja, kommt immer seltener vor, ich glaube sogar, er hat mittlerweilen ganz davon abgelassen.

 

Hoffnung

 

Zum Glück ist das aber nur eine Seite der Medaille! Denn wie angesprochen, weiss er eigentlich um die Wichtigkeit des aufmerksamen Chantens und meine wichtige Rolle dabei. 

 

Erst gestern zB hat er mich aus dem Beutel gezogen und ganz stolz einer Schulklasse gezeigt und erläutert wie er täglich zwei Stunden mit mir verbringt. Die Schüler waren höchst beeindruckt und bestaunten mich alle, das war ein tolles Gefühl.

 

Wirklich richtig zufrieden bin ich vor allem während unseren Indienreisen, dann ist er wie ein anderer Mensch, viel gelassener, ausgeglichener und plötzlich sehr an mir interessiert. Ständig trägt er mich bei sich und immer wieder lassen wir uns an ganz speziellen Orten nieder einfach nur um zu chanten, wie zum Beispiel am Ufer der Ganges in Risikesha, im Prabhupada Samadhi in Mayapur oder am Radha Kunda in Vrindavan. Ja, an diesen Orten, während diesen speziellen Momenten, scheint es so, dass ich die Vollkommenheit meines Daseins erfahren kann. 

 

Ähnlich verhält es sich, wenn er mich einmal pro Jahr in die Schweizer Berge zum Japa Retreat mitnimmt. Dann chantet er und chantet, stundenlang und will mich gar nicht mehr zur Seite legen. 

 

Und in der Tat habe ich in letzter Zeit bemerkt, dass er sich mehr und mehr um eine tiefere Beziehung mit mir und dem heiligen Namen bemüht.Es scheint, dass die jährlichen Japa Retreats und Indenreisen langsam ihre Früchte tragen.  

 

Um was es schliesslich wirklich geht, ist einen tiefen Wunsch zu entwickeln, den Wunsch Krishna durch das Chanten seiner Heiligen Namen zu dienen, Ihn damit zu erfreuen und Ihm schliesslich im Heiligen Namen zu begegnen. Diese `laulyam`(Begierde) muss im Herzen erwachen. Wie Srila Prabhupada das so schön beschreibt: man sollte lernen nach dem Herrn zu weinen. Man sollte diese kleine `Technik` erlernen, man sollte sehr begierig sein und tatsächlich weinen, um in einer bestimmten Art von Dienst beschäftigt zu werden. (Bedeutung des Mahamantra: `O Radha, O Krishna, bitte beschäftigt mich in Eurem hingebungsvollen Dienst!`) Diese Begierde nennt man `laulyam` und solche Tränen sind der Preis für die höchste Vollkommenheit!

 

Dieser Geschmack, diese Begierde kommt durch chanten. Einmal fragten Devotees, wie sie ihren Wunsch zu chanten vergrössern könnten. Srila Prabhupada antwortete: "Durch Sankirtana! das gemeinsame Chanten! Es ist wie bei einem Mann der trinkt und trinkt und trinkt und dadurch schliesslich zum gewohnheitsmäßigem Trinker wird. Trink mehr und mehr und du wirst zum Trinker! Chante in gleicher Weise mehr und mehr und du wirst ein vollkommener Chanter!"

 

In diesem Sinn hoffe ich, dass mein lieber Besitzer mich in Zukunft mehr und mehr durch seine Hände gleiten lässt mit den heiligen Namen auf der Zunge und Tränen der Liebe in den Augen. Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare. Naja, wird wohl noch eine Weile dauern, bis es dieses Ausmass annimmt, aber Hoffnung ist da!

 

Schlusswort:

 

`Die Sprache der Dinge` wird einen Schreibübung genant, welche mich zum schreiben dieses Textes inspiriert hat: `Biografisches Schreiben kann humorvoll und selbstironisch sein, wenn wir uns von aussen Betrachten und einen ungewöhnlichen Blickwinkel einnehmen. Wähle einen Gegenstand der dich täglich begleitet, der deine Vorlieben und Macken kennt. Lass ihn aus seiner Sicht erzählen wie er dich erlebt!`

 

Solch eine Betrachtung kann sehr interessant für die eigene Selbstreflektion sein! 

Du kannst dich selber ja auch mal fragen: Was würde meine Japa Mala so erzählen wenn sie sprechen könnte?!