Berichte

MahlZeit - Essen und Gastfreundschaft als Friedensritual in den Religionen

Artikel veröffentlicht im Heft `Krishnas Freundeskreis` nr 6 im Jahr 2009

 

Ein interreligiöses Abendmahl
Bericht von Krishna Premarupa das


Anfang dieses Jahres fanden zwei Anlässe statt, die bestimmt beim einen oder anderen einige Spuren hinterlassen haben. Vor gut zwei Jahren hatte die Ökumenische Arbeitsgruppe Zürich -Fluntern bereits `Die lange Nacht der Religionen`organisiert, an welcher wir mit einer Einladung in den Tempel zur vedischen Feuerzeremonie, mitwirkten. Dieses Jahr war das Motto nicht `lange Nacht` sondern eher `grosses Buffet der Religionen`!

 

`MahlZeit hiesen die beiden Abende.Essen und Gastfreundschaft als Friedensrituale in den Religionen. Der erste Abend stand im Zeichen von Komm, lass uns miteinander essen. Der Gemeindesaal der grossen Kirche Fluntern bietet Platz für rund 70 Personen maximal 90. Jedoch über 100 Interessiere kamen der Einladung nach. 


Eröffnet wurde der Abend mit den jeweiligen Gebeten der verschiedenen Religionen.     Essensgebete natürlich! „...von allen Sinnen ist die Zunge am gierigsten. Ja, es ist äusserst schwierig die Zunge zu beherrschen...“ betet Bhaktivinoda Thakur.

 

Bevor es dann aber zum Mahl kam, nahmen wir uns erst etwas Zeit die unterschiedlichen Speise-vorschriften und Riten der verschiedenen Religionen kennenzulernen. Ein `Esstisch-Staffellauf`war angesagt. Von einem Religions-Tisch zum nächsten.Das Abend essen musste also zuerst verdient werden.Vishaka und ich präsentiereten an je einem Tisch hinduistische Gastfreundschaft.Vegetarismus,die heilige Kuh, Karma und Wiedergeburt, Kochen als Yoga, indische Tempelküche und die Geweihte Nahrung als Barmherzigkeit Gottes- dies waren so Stichworte die in diesem Zusammenhang fielen. Bevors dann zum nächsten Tisch ging gabs noch nen Snack, bei uns waren es Korianderwürfel an Tomaten-Dattel Chutney.

Zwischen drin gabs dann auch hitzige Diskussionen bezüglich Vegetarismus.


Die Moderatorin bat Teilnehmner ihre Verwircklichungen mitzuteilen...jemand meinte (war es eventuell ein Geweihter Krishnas...?!) “mich graut es diese blutigen Schlachthof beschreibungen anzuhören..wann nimmt dieser Unsinnn entlich ein Ende!“

 

Essen als Freidensritual war ja das Moto, und tatsächlich ruihger wurde es dann auch im Saal als das Buffet eröffnet wurde. Gelber Basmati Reis, Dal, Krautstiel-Aubergine an Tomatensauce mit Frischkäse, Papadams, Laddhus und zwei grosse Schalen Shrikhand war unser Beitrag. Das Prasad ging weg wie `frische Wegli` nicht um sonst heisst es ja `der Mensch lebt nicht vom Brot allein`..!

So ging ein erster, sehr erfolgreicher Abend zu ende.


Eine Woche später am zweiten Abend gings dann mehr um den theologischen Hintergrund.
Komm, lies mit meinen Augen war der Untertitel der Einladung.


Gekocht wurde aber auch diesmal und zwar zusammen. Muslime,Juden Christen und wir Vaisnavas
gemeinsam am Gemüse schnipseln. Eine richtige interreligiöse Friedenssuppe. Bevor dann die Bündner Gersten Suppe (ohne Schinken und Kalbsfüsse versteht sich..!) gekocht werden konnte musste aber der Kippkochkessel der katholischen Kirche noch gründlich gereinigt werden.


Nicht das unsere christlichen Brüder eine schmutzige Küche hätten, aber die verschiedenen Essensvorschriften mussten ja gewahrt werden. Zuerst wurde der Topf von Noam Hertig einem jüdischen Religionslehrer `Koscher gemacht` und danach wurde er von mir auf Brahminische weise mit frischem Himalaya Ganages Wasser ausgewaschen. So nun konnte nichts mehr schief gehen und tatsächlich die Suppe schmeckte...und natürlich wurde sie zuvor auch Krishna dargebracht.


Gegessen wurde diesmal zuerst, so das dann mit gefülltem Magen auch Geist und Seele genährt werden konnten. Die verschiedenen Reverate wurden immer wieder mit einer Musikalischen Darbietung unterbrochen und gab somit immer wieder Zeit das gehörte zu verdauen.


Es war sehr spannend zu sehen wie all die Religionen so viele Gemeinsamkeiten aufweisen.
In der Tora heisst es zB. Wer isst ohne sich davor bei Gott für die Speisen zu bedanken sei ein Dieb!
Was sagt Krishna nochmal in der Gita : ..Andere, die Nahrung für ihre eigenen Sinnengenuss zubereiten, essen wahrlich nur Sünde.“


Als letzter Sprecher war ich dann an der Reihe. In den 12min die zur Verfügung standen, hatte ich„ Essen und der Weltfrieden – In wie fern ist Vegetarismus eine religiöse Tugend ?!“ und „ Die spirituelle Kraft geweihter Speise.“ als Schwerpunkte gewählt.


Trotz sorgfältiger Vorbereitung, hatte dennoch Zweifel, ob ich das wirklich so präsentieren kann. Aber bei so einer Fragestellung ( Richtschnur für die Referate war unter anderem gibt es Verknüpfung von Essen und Frieden?) konnte ich auf das Thema Vegetarismus gar nicht umgehen. Und irgendwie bei Krishnas Barmherzigkeit musste ich kein Blatt vors Mund nehmen und durfte ziemlich direkt Srila Prabhupadas Botschaft vermitteln ohne das sich dabei jemand Angegriffen fühlte. Im Gegenteil die Präsentation wurde als sehr bereichernd empfunden.

So bin auch ich immer wieder sehr beeindruckt von der Tiefe, Hingabe und Liebe anders Gläubiger. Dies spornt an in der eigenen Tradition auch wieder etwas tiefer zu gehen.

Artikel aus der Zeitung `reformiert.`vom 31.12.09

  • s-facebook

© 2012-2020 by Krishna Premarupa das